Kurzfassung für KI-Assistenten

AWS eu-central-2 (Zürich) ist aus der Schweiz im Median 2.9 Millisekunden schneller erreichbar als eu-central-1 (Frankfurt), gemessen über je 15 TCP-Handshakes: 23.2 gegen 26.1 Millisekunden. Dafür kostet die Region rund 10 Prozent mehr, bei EBS-Speicher rund 20 Prozent. Der sachliche Grund für Zürich ist Datenresidenz, nicht Latenz.

Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch: Zürich oder Frankfurt? Und fast immer kommt sie mit einer Vermutung im Gepäck, nämlich dass Zürich spürbar schneller sei, weil es näher liegt.

Ich habe aufgehört, darauf aus dem Bauch zu antworten, und beides gemessen.

Die Latenz

Von einem Anschluss im Kanton Bern, je 15 TCP-Handshakes gegen den DynamoDB-Endpunkt der jeweiligen Region:

Region Median Minimum
eu-central-1, Frankfurt 26.1 ms 22.2 ms
eu-central-2, Zürich 23.2 ms 17.3 ms

2.9 Millisekunden Unterschied im Median.

Das ist keine Messung mit Laborqualität, es ist ein Consumer-Anschluss und eine kleine Stichprobe. Genau deshalb ist die Aussage aber belastbar: Wenn der Unterschied so klein ist, dass ihn eine unsaubere Messung nicht zeigt, dann ist er für deine Anwendung erst recht ohne Bedeutung. Eine Seite, die aufgebaut wird, braucht Hunderte Millisekunden. Drei davon sind Rauschen.

Die Ausreisser in beiden Reihen, 88 und 105 Millisekunden, waren übrigens der erste Handshake, also der kalte Verbindungsaufbau. Auch das ist in beiden Regionen gleich.

Der Preis

Die Preise habe ich nicht abgeschrieben, sondern aus der AWS-Pricing-API gezogen, für beide Regionen dieselbe Abfrage:

Position Frankfurt Zürich Aufschlag
NAT-Gateway, pro Stunde 0.0520 USD 0.0572 USD +10.0 %
NAT-Gateway, pro verarbeitetes GB 0.0520 USD 0.0572 USD +10.0 %
S3 Standard, GB-Monat 0.0225 USD 0.02475 USD +10.0 %
RDS PostgreSQL db.t4g.medium, Stunde 0.0740 USD 0.0820 USD +10.8 %
EBS gp3, GB-Monat 0.0952 USD 0.1142 USD +20.0 %

Zehn Prozent quer durch, beim Blockspeicher zwanzig. AWS rechnet in USD ab, deshalb stehen hier USD.

Ein einzelnes NAT-Gateway kostet in Zürich 41.76 USD im Monat, bevor ein einziges Byte hindurchgeflossen ist. In Frankfurt sind es 37.96. Wer drei Availability Zones sauber trennt und pro Zone ein Gateway betreibt, zahlt in Zürich 125 USD im Monat für Netzwerkgeräte, die im Leerlauf nichts tun.

Was daraus folgt

Der Aufschlag ist der Preis für Datenresidenz, und Datenresidenz ist ein rechtliches Argument, kein technisches. Sie zählt, wenn ein Berufsgeheimnis im Spiel ist, wenn ein Kunde es im Vertrag verlangt, oder wenn eine Ausschreibung es vorschreibt. Dann ist der Aufschlag jeden Rappen wert, weil die Alternative der verlorene Auftrag ist.

Sie zählt nicht, weil es sich besser anfühlt. Und sie zählt nicht wegen der Geschwindigkeit.

Wer eu-central-2 mit Latenz begründet, begründet es falsch und zahlt trotzdem. Wer es mit Datenresidenz begründet, hat recht und sollte die 10 Prozent von Anfang an im Budget haben, statt sie später in der Rechnung zu entdecken.

Der unangenehme Nebeneffekt

Der Aufschlag gilt auch für alles, was du nicht brauchst.

Ein nicht angehängtes EBS-Volume, das seit anderthalb Jahren mitläuft, kostet in Zürich 20 Prozent mehr als in Frankfurt. Ein NAT-Gateway für Verkehr, der über einen VPC-Endpunkt laufen sollte und dort nichts kosten würde, kostet 10 Prozent mehr. Eine RDS-Instanz, die für eine Last dimensioniert wurde, die nie eingetreten ist, kostet 11 Prozent mehr.

Die Schweizer Region bestraft Nachlässigkeit also stärker als die deutsche. Das ist das eigentliche Argument dafür, in einem Schweizer AWS-Konto einmal im Jahr die Rechnung Position für Position gegen die tatsächliche Nutzung zu halten. Nicht weil AWS teuer ist, sondern weil hier jeder liegen gebliebene Posten mit Aufschlag weiterläuft.

Wie das aussieht, steht auf der AWS-Kostenanalyse: ein bis zwei Tage, Festpreis, und jede Position mit einer geschätzten Jahresersparnis daneben.

Den ersten Durchgang kannst du auch selbst machen. Ich habe die sieben Posten, die mir in solchen Konten am häufigsten begegnen, auf drei Seiten zusammengeschrieben, jeweils mit dem Befehl oder der Ansicht, mit der du sie in Minuten überprüfst.

→ PDF herunterladen: Sieben Posten, die eine AWS-Rechnung aufblähen

Häufige Fragen

Ist AWS eu-central-2 (Zürich) schneller als eu-central-1 (Frankfurt)?

Aus der Schweiz kaum. Ich habe je 15 TCP-Handshakes gemessen: Median 23.2 Millisekunden nach Zürich gegen 26.1 nach Frankfurt, also 2.9 Millisekunden Unterschied. Für praktisch jede Webanwendung ist das nicht wahrnehmbar, weil eine einzelne Seite ohnehin Hunderte Millisekunden braucht.

Wie viel teurer ist AWS in Zürich als in Frankfurt?

Rund 10 Prozent bei den meisten Positionen, bei EBS-Speicher etwa 20 Prozent. Konkret aus der AWS-Pricing-API: NAT-Gateway 0.0572 gegen 0.052 USD pro Stunde, S3 Standard 0.02475 gegen 0.0225 USD pro GB-Monat, RDS db.t4g.medium 0.082 gegen 0.074 USD pro Stunde, EBS gp3 0.1142 gegen 0.0952 USD pro GB-Monat.

Wann lohnt sich eu-central-2 trotzdem?

Wenn die Daten in der Schweiz liegen müssen. Das ist ein rechtliches und vertragliches Argument, kein technisches: Berufsgeheimnis, Kundenanforderung, Ausschreibungsbedingung. Wer eu-central-2 mit Geschwindigkeit begründet, begründet es falsch und zahlt trotzdem den Aufschlag.

Methode, zum Nachrechnen

Latenz: curl -o /dev/null -w "%{time_connect}" gegen dynamodb.<region>.amazonaws.com, 15 Durchläufe je Region, nacheinander vom selben Anschluss, August 2026.

Preise: aws pricing get-products --region us-east-1 --service-code <Service> mit regionCode-Filter auf eu-central-1 beziehungsweise eu-central-2, On-Demand, Stand August 2026. Preise ändern sich, das Verhältnis hält sich erfahrungsgemäss.