Es gibt einen Moment, in dem eine Webseite plötzlich wichtig wird. Eine Erwähnung in einer Tageszeitung, ein Newsletter mit unerwartetem Erfolg, eine Erwähnung in einem grossen Podcast, der Tag, an dem die öffentliche Ausschreibung beginnt. In genau diesem Moment kommen statt der üblichen dreissig Besucher pro Tag plötzlich dreissig pro Minute. Und in genau diesem Moment passiert bei einer typischen KMU-Webseite das eine, was man sich am wenigsten wünscht: sie wird langsam, oder sie ist kurzzeitig nicht erreichbar.
Die übliche Reaktion lautet, dass der Anbieter ein Problem habe oder dass die Webseite schlecht konfiguriert sei. Beides trifft selten zu. Was sich da bemerkbar macht, ist eine strukturelle Eigenschaft des Modells, auf dem die meisten Schweizer KMU-Webseiten heute laufen. Sie ist nicht falsch, sie ist eingebaut. Und sie wird genau dann sichtbar, wenn es weh tut.
Dieser Beitrag erklärt drei Dinge sachlich. Erstens, warum das klassische Hosting-Modell unter Lastspitzen strukturell langsamer wird, und warum das nichts mit der Qualität des Anbieters zu tun hat. Zweitens, was das im Geschäftsalltag konkret kostet, jenseits der Monatsgebühr. Und drittens, was ein zweites Modell daneben anders macht, mit aktuellen Schweizer Preisen und ohne den Versuch, einen Anbieter schlechtzumachen.
Das klassische Hosting-Modell, kurz und sachlich
So funktioniert das Modell, das die meisten Schweizer KMU-Webseiten heute benutzen. Ein Anbieter betreibt eine Reihe von Servern in einem Rechenzentrum. Auf jedem Server laufen viele Kundenseiten gleichzeitig, jede mit einem festen Anteil an Speicher, Rechenleistung und Bandbreite. Wer ein Hosting-Paket kauft, mietet diesen festen Anteil. Was im Paket enthalten ist, hat der Kunde, was nicht enthalten ist, hat er nicht. Im Normalbetrieb, also bei den üblichen dreissig Besuchern pro Tag, ist das eine sehr effiziente und in der Schweiz typischerweise gut umgesetzte Lösung. Schweizer Datenstandort, deutschsprachiger Support, automatische Backups, fairer Preis. Daran ist nichts auszusetzen.
Auf solchen Hosting-Paketen läuft sehr häufig WordPress, das verbreitetste CMS weltweit. Auch das ist nicht falsch, aber es bringt eine eigene Risiko-Schicht mit, die in diesem Beitrag nicht im Mittelpunkt steht. Wer sich für diesen Teil interessiert, findet eine ausführliche Einordnung im WordPress-Beitrag zu den Warnungen der Schweizer Behörden.
Die strukturelle Schwäche liegt nicht im Normalbetrieb, sondern in den drei Punkten, die der Marketingtext nicht erwähnt: Spitzenlast, Wartungsfenster und unerwartete Ausfälle. Sie sind keine Anbieter-spezifischen Mängel, sondern Eigenschaften des Modells. Sie wären auch bei einem perfekten Anbieter da.
Erstens: Spitzenlast
Wenn auf eine Webseite plötzlich zehnmal mehr Besucher kommen als üblich, gibt es zwei mögliche Reaktionen: das System wächst mit, oder es bleibt gleich und wird langsamer. Beim klassischen Hosting wächst nichts mit. Der gemietete Anteil ist der gemietete Anteil. Was darüber hinaus an Anfragen kommt, wird in eine Warteschlange gestellt, und die Wartezeit verlängert sich für alle.
Das ist messbar. Bei einer normalen Auslastung liefert eine WordPress-Seite ihre Inhalte typischerweise in 200 bis 500 Millisekunden. Bei einer Verzehnfachung des Verkehrs verlängert sich diese Zeit auf zwei, drei oder fünf Sekunden, manchmal mehr. Aus Sicht des Besuchers wird die Seite „lahm”. Studien zur Webseiten-Performance zeigen seit Jahren konsistent, dass mit jeder zusätzlichen Sekunde Ladezeit ein zweistelliger Prozentsatz der Besucher abspringt. Wer im Spitzenmoment eine langsame Seite hat, verliert genau die Besucher, für die der Spitzenmoment überhaupt erst entstanden ist.
Wichtig: das ist keine Frage von „mehr für das Paket bezahlen”. Auch die teureren Pakete sind ein fester Anteil. Sie verschieben die Schwelle, ab der die Verlangsamung einsetzt, aber sie heben sie nicht auf. Ein dreifaches Paket reagiert auf eine zehnfache Spitze immer noch wie ein gemieteter Anteil, nicht wie ein wachsendes System.
Zweitens: Wartung und unerwartete Ausfälle
Jedes laufende System braucht Wartung. Betriebssysteme bekommen Sicherheits-Updates, Datenbanken werden migriert, die Hardware unter dem Rechenzentrum altert und muss ersetzt werden. Schweizer Anbieter machen das gut und kündigen Wartungsfenster meist im Voraus an, oft nachts, mit minimaler Auswirkung. Trotzdem: eine Webseite, die auf einem laufenden Server lebt, ist von der Verfügbarkeit dieses Servers abhängig. Wenn der Server steht, steht die Webseite.
Statistisch sind Schweizer Hosting-Anbieter sehr zuverlässig. Werbung mit 99,9% Verfügbarkeit ist die Regel. 99,9% klingt nach „immer da”. In Wirklichkeit sind das pro Jahr etwa 8,7 Stunden, in denen die Seite nicht erreichbar ist. Wenn diese 8,7 Stunden gleichmässig verteilt nachts um 3 Uhr auftreten, merkt niemand etwas. Wenn sie gebündelt während eines Wartungsfensters oder eines unerwarteten Ausfalls am Montagmorgen um 9 Uhr auftreten, mitten in der Bewerbungsphase einer öffentlichen Ausschreibung, ist das ein Problem, das keine technische Antwort hat.
Auch hier gilt: kein Anbieter ist daran schuld. Es ist die natürliche Konsequenz davon, dass eine Webseite an einem einzigen physischen Ort lebt. Wenn dieser Ort ein Problem hat, hat die Webseite ein Problem.
Drittens: was das wirklich kostet
Die Hosting-Rechnung ist nicht die ganze Rechnung. Die echten Kosten eines Ausfalls oder einer Verlangsamung liegen ausserhalb des Monatspreises.
Für einen Treuhänder, eine Kanzlei oder eine Beratungspraxis bedeutet ein verlorener Spitzenmoment, dass Anfragen nicht ankommen. Wer auf die Webseite klickt, weil er die Empfehlung eines Bekannten oder einen Artikel gelesen hat, und dann eine ladende Seite sieht, geht in 30 bis 40 Sekunden weiter zum nächsten Anbieter. Das ist konsistent in der Nutzungsforschung dokumentiert. Aus zehn potenziellen Kunden, die im Spitzenmoment auf die Seite kamen, kommen vielleicht drei tatsächlich beim Kontaktformular an.
Für eine Marketing-Agentur, die im Auftrag des Kunden eine Kampagne fährt, ist das Problem noch direkter. Eine Pressemitteilung mit Welle, ein bezahlter Post mit unerwartetem Erfolg, eine Veranstaltungsankündigung: das sind genau die Momente, in denen das Hosting des Kunden zur Schwachstelle wird, ohne dass die Agentur darauf Einfluss hat. Die Welle bricht zusammen, der Kunde sieht das, die Agentur muss die Lage erklären. Das ist ein Gespräch, das keine Agentur führen will.
Und für eine öffentliche Ausschreibung, eine Stellenausschreibung oder eine Tender-Frist gilt: die Frist gilt unabhängig davon, ob deine Webseite erreichbar war. Eine Stunde Ausfall am falschen Tag kann eine Bewerbung kosten, deren Wert ein Vielfaches der jährlichen Hosting-Gebühr beträgt.
Das zweite Modell: serverless
Es gibt seit einigen Jahren ein zweites Modell, das die strukturelle Schwäche des ersten genau dort angreift, wo sie sitzt: bei der Annahme eines festen Anteils. Im serverless-Modell gibt es keinen festen Anteil. Statt einen Server-Anteil zu mieten, mietet man die Fähigkeit, einzelne Anfragen zu beantworten. Wenn niemand auf der Seite ist, läuft nichts. Wenn fünfzig Besucher gleichzeitig kommen, läuft die Antwort fünfzig Mal parallel. Wenn fünftausend kommen, fünftausend Mal. Das System wächst und schrumpft im Sekundentakt mit dem Verkehr.
Technisch heisst das bei AWS: die Inhalte liegen statisch auf einem Content Delivery Network namens CloudFront, das den Inhalt auf hunderten Knoten weltweit zwischenspeichert. Die wenigen Stellen, an denen tatsächlich gerechnet wird (Formular-Versand, dynamische Auswertungen), laufen in „Lambda”-Funktionen, die nur für die Dauer einer einzelnen Anfrage existieren. Das ist nicht Magie, sondern gut verstandene Technik, die heute von praktisch allen grossen Webseiten der Welt eingesetzt wird, von Bloomberg bis Coca-Cola, und seit ein paar Jahren auch zugänglich für KMU.
Was sich für die Webseite konkret ändert: sie wird unter Lastspitzen nicht langsamer, sondern bleibt schnell. Sie ist nicht abhängig von einem einzigen physischen Server, sondern lebt verteilt auf einem globalen Netz. Wartungsfenster im klassischen Sinne gibt es nicht, weil keine einzelne Maschine gewartet werden muss. Und wenn ein Rechenzentrum ausfällt, übernimmt automatisch ein anderes.
Die strukturelle Gegenüberstellung
Damit der Unterschied klar wird, eine Tabelle entlang der drei Achsen, um die es geht. Sie ist absichtlich knapp, weil die Punkte für sich sprechen.
| Eigenschaft | Klassisches Hosting | Serverless (AWS) |
|---|---|---|
| Verhalten bei einer Spitze (10x Besucher) | Wird langsam, kann zur Warteschlange werden | Skaliert automatisch mit |
| Ausfallrisiko im Spitzenmoment | Vorhanden, da Webseite an einem Server hängt | Praktisch null, da verteilt |
| Wartungsfenster | Nötig, meist nachts angekündigt | Entfällt strukturell |
| Verhalten bei null Besuchern | Voller Preis läuft weiter | Fast null Kosten |
| Abhängigkeit von einem Rechenzentrum | Hoch | Niedrig (verteilt) |
| Recovery-Zeit nach einem Vorfall | Minuten bis Stunden | Sekunden, automatisch |
| Offizielle SLA-Garantie | Typisch 99,9% | CloudFront 99,9%, S3 99,9%, bei Multi-AZ-Betrieb effektiv 99,99% |
| Daten-Haltbarkeit | Anbieter-spezifisch | S3: 99,999999999% (eleven nines) |
Diese acht Zeilen sind das Argument. Sie sind keine Verkaufsargumente, sie sind technische Eigenschaften. Wer eine Webseite betreibt, deren Erreichbarkeit nie eine Rolle spielt, hat in keiner der Zeilen einen Schmerz. Wer einmal im Quartal einen Moment hat, in dem die Webseite zählen muss, hat in jeder Zeile ein Argument.
Eine ehrliche Anmerkung zur SLA-Zeile: die offizielle vertragliche Garantie ist bei beiden Modellen gleich, nämlich 99,9% Monthly Uptime. Marketing-Aussagen wie „eleven nines” beziehen sich auf die Daten-Haltbarkeit, also wie unwahrscheinlich es ist, dass Daten verloren gehen, nicht auf die Verfügbarkeit. Der echte Unterschied liegt nicht in der vertraglichen Zahl, sondern in der Architektur dahinter. Wenn das serverless-System über mehrere Availability Zones läuft (was Standard ist), liegt die effektive Verfügbarkeit über der vertraglichen Zusage. Beim klassischen Modell ist die vertragliche Zahl auch die maximale Architektur-Möglichkeit, weil hinter einem Schweizer Rechenzentrum genau ein Rechenzentrum steht.
Der Preisvergleich, kurz und sauber
Der Preisvergleich kommt am Ende, weil er der schwächste Hebel ist. Niemand wechselt das Hosting wegen zehn Franken im Monat. Aber wenn man schon dabei ist, die Architektur zu hinterfragen, gehört auch er auf den Tisch.
Aktuelle Preise im Schweizer Markt für eine typische KMU-Webseite (Stand Mai 2026):
| Anbieter | Einstiegspaket | Mittleres Paket |
|---|---|---|
| Hostpoint Smart | CHF 17.90/Mt. | ab CHF 29.90/Mt. |
| Cyon Single | CHF 14.90/Mt. | ab CHF 79.90/Mt. (Pro) |
| Infomaniak Webhosting | ab CHF 10.91/Mt. (netto) | je nach Bedarf |
| Serverless auf AWS | CHF 2 bis 8/Mt. (variabel) | wächst nur mit Verkehr |
Stand: Anbieter-Webseiten Mai 2026, Schweizer Preise inklusive 8,1% MwSt. ausser Infomaniak (netto). Aktuelle Tarife immer beim Anbieter selbst prüfen.
Die Preisspanne ist nicht der Punkt. Eine ehrliche Rechnung über drei Jahre Hosting (15 Franken pro Monat sind 540 Franken über drei Jahre) ist meistens kleiner als ein einziges nicht beantwortetes Mandat, das im falschen Spitzenmoment verloren ging. Wer die Hosting-Entscheidung auf Basis des Monatspreises trifft, optimiert in der Regel die falsche Variable.
Wann das eine Modell, wann das andere
Drei Situationen, in denen das klassische Modell die richtige Wahl bleibt:
Eine bestehende WordPress-Seite, die seit Jahren stabil läuft, keine Spitzen erlebt und keine plant. Wechseln um des Wechselns willen kostet Zeit und Geld ohne Gegenwert.
E-Mail-Postfächer unter eigener Domain als zentrale Anforderung, kombiniert mit deutschsprachigem Telefon-Support für ein nicht-technisches Team. Genau dafür sind die Schweizer Anbieter gebaut.
Eine Webseite ohne öffentliche Spitzen, ohne Ausschreibungs-Druck, ohne Medienpräsenz. Wo Erreichbarkeit nie zur Frage wird, ist die strukturelle Schwäche keine, und der Aufwand eines Modellwechsels lohnt nicht.
Drei Situationen, in denen das serverless-Modell strukturell die bessere Wahl ist:
Eine Webseite, die regelmässig oder unregelmässig in der Öffentlichkeit steht. Politik, Veranstaltungen, Verbände, Berufsorganisationen, alles mit Pressearbeit oder Wahlen oder Kampagnen. Spitzen sind hier nicht die Ausnahme, sondern eingeplant.
Eine Webseite mit Ausschreibungs-Funktion, Bewerbungs-Frist oder anderen Momenten, in denen Nichterreichbarkeit eine kommerzielle oder rechtliche Folge hat. Der einzelne Ausfall-Tag kostet hier mehr als drei Jahre Modellwechsel.
Eine neue Webseite, die ohnehin gebaut wird. Hier ist die Modellfrage Teil der Architektur-Entscheidung. Sie sollte zusammen mit der Frage „WordPress oder statisch?” beantwortet werden, nicht erst am Ende.
Was eine ehrliche Empfehlung wäre
Wenn ich heute neutral einem KMU einen Rat geben müsste, ohne mein eigenes Angebot dazwischen, würde er so klingen.
Wenn deine bestehende Webseite stabil läuft und Spitzen nie ein Thema waren, lass sie, wo sie ist. Eine technische Entscheidung, die heute kein Problem löst, ist morgen keine Verbesserung.
Wenn du im letzten Jahr mindestens einen Moment hattest, in dem deine Webseite hätte zählen sollen und nicht mitgekommen ist, ist das nicht ein Zufall, sondern ein Strukturhinweis. Bevor du den Anbieter wechselst, prüf das Modell. Anbieterwechsel innerhalb desselben Modells ändert wenig.
Wenn du ohnehin gerade neu baust, gehört die Modellfrage in die erste Sitzung, nicht in die letzte. Sie ist keine technische Detailfrage, sondern eine, deren Konsequenzen über Jahre wirken.
Wo der eigene Preis liegt
Ich baue Schweizer KMU-Webseiten serverless auf AWS. Die typische Kostenrechnung liegt zwischen CHF 2 und CHF 8 pro Monat an AWS-Gebühren, plus eine einmalige Aufbauphase. Das passt nicht zu jedem Projekt, und es ist kein automatischer Gewinn gegenüber einer gut gepflegten klassischen Installation. Es ist die richtige Wahl für eine bestimmte Sorte Projekt, und für die andere Sorte gibt es die etablierten Schweizer Anbieter, die seit Jahren das tun, was sie versprechen.
Quellen
- Hostpoint, aktuelle Webhosting-Tarife: https://www.hostpoint.ch/
- Cyon, aktuelle Webhosting-Tarife: https://www.cyon.ch/hosting/webhosting
- Infomaniak, aktuelle Webhosting-Tarife: https://www.infomaniak.com/de/webhosting
- Webhosting-Vergleich Schweiz 2026 (unabhängiger Vergleichstest mit Verfügbarkeits-Einordnung): https://schweizer-domains.ch/webhosting-schweiz-vergleich-2026/
- AWS, Service-Level-Agreement für Amazon CloudFront (99,9% Monthly Uptime): https://aws.amazon.com/cloudfront/sla/
- AWS, Service-Level-Agreement für Amazon S3 (99,9% Monthly Uptime): https://aws.amazon.com/s3/sla/
- AWS, Amazon S3 Daten-Haltbarkeit (99,999999999%, „eleven nines”): https://aws.amazon.com/s3/storage-classes/
- AWS Pricing Calculator (Lambda, CloudFront, S3): https://calculator.aws/
Dieser Beitrag steht für sich. Wer mehr zur Architektur-Entscheidung wissen will, findet die nächste Stufe im 30-Min-Gespräch.