Kurz gesagt
llms.txt ist ein Vorschlag aus dem Jahr 2024. Die Idee: eine Datei im Wurzelverzeichnis, die einem Sprachmodell in Markdown zusammenfasst, worum es auf der Seite geht und wo die wichtigen Inhalte liegen. Gedacht als Gegenstück zur robots.txt, nur für Antwortmaschinen statt für Suchmaschinen.
Es ist kein Standard. Kein Anbieter hat zugesagt, die Datei zu lesen.
Was 30 Tage Logs zeigen
Gemessen an den WAF-Logs von scmc.ch, 30 Tage bis zum 11. September 2026.
| Abruf | Anzahl |
|---|---|
robots.txt, gesamt |
1’911 |
robots.txt, davon durch KI-Crawler |
417 |
llms.txt und llms-full.txt, gesamt |
47 |
llms.txt, davon durch KI-Crawler |
0 |
Die grossen KI-Crawler waren in diesem Zeitraum reichlich da, über 2’000 Zugriffe: ClaudeBot 810, GPTBot 395, ChatGPT-User rund 400, OAI-SearchBot rund 250, PerplexityBot 123, Google-Extended 99. Sie holen sich die robots.txt, hunderte Male. Die llms.txt hat in 30 Tagen keiner von ihnen auch nur einmal angefragt.
Wer die Datei dann abruft
Die 47 Abrufe kamen von Browsern, von curl, vom Common-Crawl-Bot und von kleinen Werkzeugen aus dem SEO- und KI-Umfeld: Shap-User, ShapBot, SEOJuice, PipericBot, Dataprovider.com, mcpsee-observatory. Also von Menschen, die nachsehen, und von Diensten, die Seiten für Dritte inventarisieren.
Das ist kein Nichts. Es ist nur nicht das, wofür die Datei empfohlen wird.
Der häufigste Denkfehler
“Wir haben eine llms.txt, also sind wir für KI vorbereitet.”
Die Datei ändert an der Sichtbarkeit nichts, solange sie niemand liest. Was die Modelle tatsächlich lesen, ist das ausgelieferte HTML deiner Seiten, und das entscheidet sich an ganz anderer Stelle, siehe JavaScript-Hülle.
Was wir trotzdem tun
Wir pflegen llms.txt auf unseren eigenen Seiten weiter. Der Aufwand ist klein, der Schaden null, und falls ein Anbieter die Datei eines Tages liest, ist sie da. Wir verkaufen sie nur nicht als Massnahme, und in keinem Audit steht sie als Punkt, der Sichtbarkeit bringt.
Wer sie anlegt, sollte wissen, dass er eine Wette abschliesst und keine Lücke schliesst.
Abgrenzung
robots.txt ist ein durchgesetzter Standard. Sie steuert, wer was abrufen darf, und die KI-Crawler halten sich nachweislich daran, sie holen sie ja hundertfach.
Strukturierte Daten nach schema.org werden von Suchmaschinen und Antwortmaschinen tatsächlich ausgewertet. Wer Aufwand in Maschinenlesbarkeit steckt, steckt ihn dort besser hinein.
Verifizierter Crawl beantwortet die Frage, ob die Abrufe überhaupt echt waren, siehe Verifizierter Crawl.
So prüfst du es selbst
Such in deinen Zugriffslogs nach der llms.txt und schau dir die Kennungen dazu an. Dann vergleich die Zahl mit den Abrufen der robots.txt durch dieselben Kennungen. Das Verhältnis sagt dir, ob die Datei bei dir gelesen wird oder nur existiert.
Einschränkung
Diese Messung stammt von einer Seite, über 30 Tage. Die Kennungen sind hier nicht gegen die veröffentlichten Adressbereiche geprüft. Das schwächt den Befund nicht, im Gegenteil: ungeprüfte Kennungen zählen eher zu viele KI-Crawler als zu wenige, und selbst dann bleibt die Zahl der llms.txt-Abrufe bei null.
Quellen
- Eigene Messung, WAF-Logs von scmc.ch, 30 Tage bis 11. September 2026, CloudWatch Logs Insights
- Der Vorschlag selbst: https://llmstxt.org